Vom 8. bis 13. Mai 2010 öffnet die IFFA in Frankfurt am Main ihre
Tore. Auf der internationalen Leitmesse der Fleischwirtschaft dreht sich alles um innovative Lösungen für die Fleischverarbeitung. Die Spanne reicht von der durch handwerkliche Traditionen geprägten Wurstherstellung bis zur industriellen Schlachtung inklusive Weiterverarbeitung, Kühlung, Lagerung, Verpackung und Transport. Die IFFA ist das ideale Forum, sich über aktuelle Trends und zukunftsweisende Technologien in der Fleischverarbeitung zu informieren. Einer der wichtigsten Trends ist die zunehmende Automation entlang der gesamten Prozesskette. Damit eng verbunden ist eine steigende Integration von IT-Technologien. Die folgenden Beispiele geben einen Vorgeschmack auf die IFFA 2010 und die vielfältigen Aspekte der Automation.
Die Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Prozesskette in der Fleischverarbeitung ist für das Qualitätsmanagement von zentraler Bedeutung. Die Zukunft gehört der durchgängigen Inline-Überwachung aller Prozesse inklusive einer kontinuierlichen Dokumentation der Herkunfts- und produktionsbegleitenden Daten. Das schließt auch die Weiterverarbeitung, Verpackung und Auslieferung an den Kunden ein. Voraussetzung hierfür sind intelligente EDV-gesteuerte Produktions- und Logistiksysteme, die miteinander kommunizieren und Prozessdaten austauschen. Eine Möglichkeit zum Verknüpfen relevanter Daten mit dem übergeordneten Prozessleit- und dem Warenwirtschaftssystem bieten Transponder-Chips.
Qualität hat Priorität in der Fleischverarbeitung und hängt wesentlich von einer durchgängigen Kühlkette ab. Kühlhäuser und Kühlhauslo-gistik sind deshalb Schlüsselthemen, zumal eine optimierte Kühlhauslogistik wesentlich die Energieeffizienz steigert. Konzeption, Engineering und Produktion kundenspezifischer Logistiklösungen erfordern viel Know-how. Freiprogrammierbare Steuerungen sowie vollautomatische Systeme für das Einlagern, Stapeln und Auslagern der Produkte sorgen für einen optimalen Materialfluss. Bedienterminals ermöglichen die freie Auswahl von Ein- und Auslagerungsaufträgen.
Automation im Zerlegebetrieb ist eines der vorrangigen Themen der IFFA 2010. Entsprechend groß ist die Bandbreite der ausgestellten Maschinen und Anlagen. Richtungsweisend sind roboterbasierte Zerlegelinien. Roboter haben sich seit Jahren am Ende der Prozesskette bewährt, wo sie kameragesteuert Fleisch- und Wurstwaren sortieren, verpacken und palettieren. Nun erobern sie auch vorgelagerte Prozesse wie das Zerlegen. Hierzu ermitteln 3D-Scanner zunächst die genaue Topologie des Tieres und senden die Daten an die Steuerungssoftware des Zerlegeroboters. Die wiederum berechnet daraus die notwendigen Schnittwege und Roboterbahnen. So verarbeiten Roboter bis zu 600 Schweine pro Stunde. Dabei übernehmen sie komplexe Aufgaben wie das Kneifen der Vorderbeinklauen, Freischneiden des Rektums, Öffnen der Bauchwand oder das Trennen von Schlossknochen und Brustbein. Studien belegen, dass der Robotereinsatz eine deutliche Reduktion der Produktkontamination bewirkt. Dank der höheren Produktivität und Fleischausbeute amortisiert sich die Investition in Robotertechnik schon nach kurzer Zeit.
Für robotergestützte Automation sprechen aber noch ganz andere Gründe. Monotone und repetitive Arbeiten führen bei Menschen schnell zu Ermüdung und einem Nachlassen der Konzentration. Beide Faktoren sind in der industriellen Produktion die häufigsten Ursachen für Qualitätsschwankungen und Arbeitsunfälle. Einseitige körperliche Dauerbelastungen wiederum sind Ursache vieler Berufskrankheiten mit in die Milliarden gehende Sozialkosten. Ein großes Problem ist, dass immer mehr Menschen an Ekzemen und anderen Hautkrankheiten oder Allergien leiden. Damit erfüllen sie nicht die für diese Berufe erforderlichen Hygienekriterien, was Schlachtbetrieben und Fleischverarbeitern die Suche nach qualifiziertem und geeignetem Personal erschwert.
Die aufgezeigten Trends hinsichtlich Automation, IT-Technologien und Robotik spielen in der Fleischwirtschaft eine immer wichtigere Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Erst der Einsatz innovativer Technologien gewährleistet eine energieeffiziente, sichere, hygienisch einwandfreie und vor allem effektive Verarbeitung von Fleisch.